Franz Johannknecht, Maler, Grafiker und Bildhauer, war am 14. Oktober 2015 Vortragsthema des Magdeburger Kunsthistorikers Andreas Hornemann im Literaturhaus. Reich bebildert schilderte er Leben und Werk des bis heute weitgehend unbekannt gebliebenen Künstlers, der 1903 in Düsseldorf geboren, von 1938 bis zu seinem Tod 1974 in Dessau gelebt hat.

Nach einer Lehre als Technischer Zeichner studiert Franz Johannknecht ab 1928 an der Düsseldorfer Kunstakademie vorrangig Bildhauerei, fällt aber wie seine Lehrer, darunter Ewald Mataré, 1933 unter das Verdikt der "Entartung" und wird mit Berufsverbot belegt.  Als Technischer Zeichner wird er 1938 nach Dessau zur BAMAG dienstverpflichtet. 1944 in den Volkssturm einberufen, gerät er in Belgien in Kriegsgefangenschaft. Zurück in Dessau steht er 1946 künstlerisch vor dem Nichts, da sein bisheriges Werk Opfer der Bomben geworden war. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Wilma, die als Fürsorgerin arbeitet, bleibt er in Dessau, wo er zunächst vor allem Landschaften in Aquarell und Tusche in stilistischer Nachfolge des rheinischen Expressionismus zu Papier bringt; doch auch einige darüber hinausgehende schwungvolle Pinselzeichnungen entstehen. 1951 wird er in den Verband Bildender Künstler aufgenommen. Seine Kunst wird in Dessau und Halle ausgestellt und er ist anerkannt. Allerdings scheint er angeeckt zu sein, wird er doch bereits wenige Jahre später, mutmaßlich 1956 oder 1957, aus dem VBK wieder ausgeschlossen.

Landschaft mit Kirche

Für jene Zeit ist auch ein deutlicher Stilwandel konstatierbar, treten doch jetzt vermehrt abstrakte Arbeiten im Stile des Informel in den Vordergrund, parallel zur Kunstentwicklung im Rheinland, wo Franz Johannknecht zu jener Zeit noch regelmäßig seine Verwandten besucht. Auch nutzt er ab etwa 1960 Aquarellfarben nur noch für Entwürfe.

Zwangsweise abgeschnitten vom staatlich geregelten Kunstsystem der DDR setzt Franz Johannknechts produktivste Schaffensphase ein. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit entstehen nun in den Jahren bis zu seinem Tod 1974 unzählige Tuschezeichnungen, Collagen, eine Vielzahl an Hinterglasbildern, in denen er ebenfalls die Collagetechnik anwendet, Linolschnitte sowie Entwürfe für Glasfenster, Wandbilder und Wandteppiche. Fließend gelingt ihm dabei der Übergang vom Gegenständlichen ins Ungegenständliche. Zwar versteht er sich zeitlebens auch als Bildhauer, doch bleibt es hier weitgehend bei Entwürfen, nicht zuletzt, da er bis über die Mitte der 1960er Jahre nicht einmal ein richtiges Atelierzimmer hat; nur zwei 1962/63 entstandene Kruzifixe sind fotografisch überliefert. Gleichwohl muss er bei vielen seiner Skizzen an Dreidimensionales gedacht haben. Wirtschaftlich geht es der Familie Johannknecht in dieser Zeit ausgesprochen schlecht. Zwar hat er einen kleinen Kundenstamm und die mit ihm befreundete, vor allem als Literatin bekannte Dessauer Buchhändlerin Christa Borchert verkauft Arbeiten von ihm "unter dem Ladentisch", doch im Grunde leben alle primär vom Einkommen der Ehefrau.

Viele Arbeiten Franz Johannknechts sind christlich motiviert, von denen so manche den Einfluss der theologischen Schriften von Pierre Teilhard de Chardin erkennen lassen. Er pflegt enge Kontakte zu evangelischen und vor allem katholischen Theologen, die ihm zu einigen Aufträgen verhelfen; vor allem machen sie es möglich, dass Kirchenfenster nach seinen Entwürfen für St. Johannis in Dessau, St. Marien in Zschopau und das Priesterseminar in Neuzelle verwirklicht werden. Ebenso oft aber bleibt es bei Entwürfen, etwa für Chorfenster für St. Anna in Köthen oder für die Auferstehungskirche in Dessau. Ein Sgraffito entwirft er für die katholische Kirche St. Josef der Arbeiter in Lucka.

Kann Franz Johannknecht in der DDR nur noch einmal, 1963 in der evangelischen Studentengemeinde in Halle, ausstellen, so werden seine Arbeiten bereits 1965 in einer Galerie in Leverkusen gezeigt, allerdings anonym. Vermittelt durch Freunde erhält er dann zu seinem 70. Geburtstag, 1973, eine Ausstellung in einer Galerien im westfälischen Hagen, wo die Presse ob des Präsentierten regelrecht jubelt, und anschließend in Xanten. Gezeigt werden hier unter anderem Graphitpapierscherenschnitte der mehr als 20 Blatt umfassenden Serie "Passio" von 1971/72, die zu Franz Johannknechts beeindruckendsten Kunstwerken gehören. Stilistisch scheint die Serie von Arbeiten des Basken Eduardo Chillida beeinflusst zu sein, konnte doch Franz Johannknecht bereits ab 1968 wieder regelmäßig in den Westen reisen.

"Passio", 1972, 42 x 29,6 cm, Graphitpapierschnitt auf Papier collagiert

In der DDR werden seine Arbeiten erst 1976 in Weimar und 1977 in Zeitz öffentlich gezeigt; in Magdeburg sind sie erstmals 1983 in der Wohnungsgalerie des Ehepaar Bahß' in der Hegelstraße zu sehen. Anschließend folgen Ausstellungen vor allem in kirchlichen Räumen aber auch in der Dessauer Gemäldegalerie und im Museum Schloss Bernburg, die heute auch umfangreiche Bestände an Arbeiten Franz Johannknechts besitzen. Letzteres gilt auch für das Kunstmuseum Kloster Unser lieben Frauen Magdeburg, das in den letzten zehn Jahren zahlreiche Arbeiten mit Unterstützung der Freunde und Förderer des Kunstmuseums und durch private Schenkungen erhalten hat.

 Hier fand 2007 auch die bislang umfassendste Retrospektive zum Werk Franz Johannknechts statt. Einen Überblick darüber bietet der Katalog zu dieser Ausstellung, den man im Shop des Kunstmuseums erwerben kann. Einige Blätter aus der "Passio"-Serie sind auch in der aktuellen Jubiläumsausstellung des Kunstmuseums ausgestellt.

Andreas Hornemann

(alle Arbeiten F. Johannknechts Sammlung des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg;
Fotos: Archiv Kunstmuseum Magdeburg)